Wissenswertes Redaktion August 10, 2025
Die produktive Einführung eines Produktinformationsmanagement-Systems (PIM) ist für viele mittlere und große Unternehmen im Handel, in der Konsumgüterindustrie und im produzierenden Gewerbe ein wichtiger Schritt, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Besonders in Unternehmen mit historisch gewachsenen, vielfältigen IT-Infrastrukturen hängt der Erfolg eines PIM-Projekts maßgeblich davon ab, wie reibungslos das neue System in die bestehenden Systemlandschaften integriert wird. PIM-Lösungen müssen mit bereits etablierten Applikationen wie ERP-Systemen, CRM-Plattformen, Content-Management-Systemen sowie spezifischen Anwendungen für Logistik, Produktion und Marketing zusammenarbeiten. Die zentrale Herausforderung besteht dabei darin, medienneutrale, konsistente Produktdaten über alle Kanäle, Abteilungen und Standorte hinweg zur Verfügung zu stellen – ohne die Komplexität der IT-Landschaft unnötig zu erhöhen oder die Ausfallsicherheit bestehender Strukturen zu gefährden.
Eine der größten Hürden bei der Integration eines PIM-Systems ist die Konsolidierung unterschiedlich formatierter und an verschiedenen Orten gespeicherter Produktdaten. Informationen, die bislang dezentral in Abteilungen wie Entwicklung, Vertrieb, Logistik oder Marketing gepflegt wurden, müssen zunächst identifiziert, bereinigt und strukturiert werden. Dies ist oft ein aufwändiger Prozess, der mit Datenmigration, Dublettenbereinigung und der Einführung von Datenqualitätsstandards einhergeht.
Ein weiteres zentrales Thema ist das Schnittstellenmanagement. Die verschiedenen IT-Systeme sprechen häufig unterschiedliche “Sprachen” und verwenden spezifische Datenmodelle. Hier gilt es, mit Hilfe von APIs (Application Programming Interfaces) robuste, flexible Schnittstellen zu schaffen, die nicht nur den Datenaustausch zwischen PIM und ERP/CRM/CMS ermöglichen, sondern auch zukünftigen Erweiterungsanforderungen gewachsen sind. Zu den technischen Herausforderungen zählen zudem die Synchronisation von Master- und Bewegungsdaten, das Handling von Medien-Assets und das Rollen- & Berechtigungsmanagement auf System- und Datenebene.
Nicht zuletzt können organisatorische Aspekte zu Hindernissen werden: Mitarbeitende müssen mit neuen Prozessen vertraut gemacht und Schnittstellen im laufenden Betrieb integriert werden, ohne die Geschäftskontinuität zu gefährden.
Um die Integration eines PIM-Systems in eine komplexe, heterogene IT-Landschaft erfolgreich zu gestalten, empfiehlt sich ein strukturiertes Vorgehen in mehreren Phasen:
Analyse und Planung: Eine detaillierte Bestandsaufnahme der bestehenden Systeme, Datenquellen und Prozesse ist unerlässlich. Nur so lassen sich Redundanzen erkennen, Integrationspunkte identifizieren und potenzielle Risiken frühzeitig adressieren. Es hat sich bewährt, ein interdisziplinäres Projektteam mit Vertretern aus IT, Fachabteilungen und Projektmanagement zusammenzustellen.
Proof of Concept (PoC): Anhand eines “Musterszenarios” kann im kleinen Maßstab getestet werden, wie die Integration zwischen PIM und Kernsystemen funktioniert. So lassen sich technische Stolpersteine identifizieren, bevor der Rollout unternehmensweit erfolgt.
Modularisierung und Standardisierung: Der Einsatz von standardisierten Schnittstellen (REST, SOAP etc.) und Datenformaten (z. B. BMEcat, GS1, JSON) reduziert Integrationsaufwand und die Fehleranfälligkeit. Die Modularisierung von Integrationslösungen sorgt dafür, dass künftige Systemerweiterungen oder -änderungen möglichst wenig Einfluss auf den Bestand haben.
Stufenweiser Rollout: Eine schrittweise Umsetzung – beispielsweise nach Produktlinien, Ländern oder Abteilungen – ermöglicht es, Erfahrungen zu sammeln und Anpassungen vorzunehmen, ohne das gesamte Unternehmen zu beeinträchtigen.
Kontinuierliches Monitoring und Support: Nach der Einführung sollten Schnittstellen und Datenflüsse dauerhaft überwacht werden, um Fehler frühzeitig zu erkennen und Korrekturmaßnahmen einzuleiten. Investitionen in Supportstrukturen und Dokumentation sind unerlässlich, um Know-how im Unternehmen aufzubauen und die Nachhaltigkeit des Integrationsprojekts zu sichern.
Im produzierenden Gewerbe hat sich gezeigt, dass die Integration eines PIM-Systems besonders dann gelingt, wenn der Fokus auf der klaren Definition von Datenverantwortlichkeiten liegt. Ein europaweit agierender Hersteller von Konsumgütern konnte beispielsweise durch die Bildung eines dedizierten “Product Data Office” Silodenken abbauen und die Zusammenarbeit zwischen IT, Produktmanagement und Vertrieb signifikant verbessern. Die Einführung klarer Governance-Strukturen für Produktdaten erleichterte die Einbindung des PIM-Systems in das bestehende ERP und den unternehmensweiten Rollout von E-Commerce-Lösungen.
Im Handel hat ein Big Player durch den Einsatz von Microservices und eine auf Event-Steuerung basierende Schnittstellenarchitektur eine hochgradig skalierbare PIM-Integration realisiert. Der modulare Aufbau verschafft dem Unternehmen maximale Flexibilität bei der Erweiterung von Vertriebskanälen und der Einbindung neuer Systeme – bei minimalen Ausfallzeiten.
Die Integration eines PIM-Systems in komplexe IT-Infrastrukturen ist eine anspruchsvolle, aber lohnende Aufgabe. Wer das Thema ganzheitlich angeht, vom Datenmanagement über die Schnittstellenarchitektur bis hin zu Change-Management und kontinuierlicher Qualitätssicherung, schafft die Grundlage für eine effiziente, mehrkanalfähige und zukunftssichere Produktkommunikation. Erfolg entscheidet sich dabei nicht nur an der Technik, sondern am Zusammenspiel von organisatorischen, prozessualen und technischen Maßnahmen. Unternehmen, die frühzeitig auf Transparenz, Standardisierung und strategische Planung setzen, sind bestens für die Herausforderungen der Digitalisierung gerüstet.
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